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Versand durch Amazon #292 – Knallerwoche!

Hallo Leute, willkommen zurück zur 292ten Ausgabe des Versand durch Amazon Logbuchs. Diesmal mit einer Premiere: Ich Interview einen Online Unternehmer der euch eventuell auch schonmal über den Weg gelaufen ist – jedenfalls wenn ihr schon ein bisschen hier mitlest: Lennart Schreiber.

Bericht zur Lage des Verkaufs

Als ich mir heute die Zahlen gezogen habe, wollte ich es fast nicht glauben…. Aber die sind echt!

Also Spanien ist diesmal mit 0 unterwegs. Aber bereits Italien macht mit über 700€ eine verdammt gute Figur! Frankreich schlägt jedoch dem Faß den Boden aus: 1400€ Umsatz in einer Woche. Das ist schon richtig stark!

Was aber der Oberknaller ist, ist eine ganz andere Liga… Bundesliga sozusagen… 😉
Deutschland liefert alleine über fünf tausend Euro Umsatz ab. Richtig…
5.000€!!

Vor einem Monat gab es das schonmal. Damals kamen 5.100€ zusammen. Dieser Rekord wurde nun fast von Deutschland allein eingestellt!! Mit 7.200€ liegt diese neue Rekordwoche satt drüber und zeigt was geht. Cool! Wow…

Mit diesen tollen Zahlen können wir beschwingt zum eigentlichen Highlight dieser Ausgabe kommen. Meinem ersten „Leserinterview“ sozusagen. Lennart sollte dem ein oder anderen von euch schon mal in der Kommentarspalte hier auf dem Blog begegnet sein. Es war also an der Zeit sich mal etwas zu unterhalten. Aber lest selbst.

Interview #1: Lennart Schreiber

Hi Lennart, schön das du Zeit gefunden hast für dieses Interview bzgl.
deiner Erfahrungen mit FBA und Unternehmertum ganz allgemein.

Lass uns doch ganz am Anfang anfangen.
Wo kommst du her und in welchem Umfeld bist du aufgewachsen?
War Unternehmertum bei dir schon immer in den Genen?

Moin Moin Kevin,
ich komme aus Hannover und fühle mich als Norddeutscher. Meine Eltern sind Freiberufler, deswegen war für mich immer klar, dass die Selbstständigkeit eine tolle Möglichkeit im Berufsleben ist. Wirkliche Unternehmer waren sie aber nicht, dafür bin ich aber in genau der richtigen Zeit aufgewachsen um zu sehen, dass sich mit dem Internet Geld verdienen lässt. Mein Vater hat uns glücklicherweise einen der ersten PC ins Haus gestellt damals, daran habe ich mir vieles dann selbst beigebracht.

Ab wann warst du denn am Rechner unterwegs? Und ab wann hattet ihr Internet?

Ich denke als ich 9 war hatten wir den ersten PC, Internet wohl erst einige Jahre später – mit einem 56k Modem.

Was für eine Ausbildung hast du gemacht? Hast du eine formale Qualifikation oder dergleichen als Händler?

Ich habe zuerst ein wenig studiert, aber ich wollte dann schneller in die Praxis und meine Selbstständigkeit ausbauen. Deswegen habe ich in Kooperation mit einem guten Kunden dann die Ausbildung zu Mediengestalter gemacht. Gleich daran angeschlossen habe ich den Medienfachwirt. Der Medienfachwirt war wirklich eine gute Grundlage für die Gründung meiner Firma. Auch der Ausbilderschein war teil davon. Inzwischen habe ich auch einen MBA in IT-Management, aber der war jetzt eine reine Zugabe 🙂

Wann hast du von FBA zum ersten mal gehört? Wie bist du damit in Kontakt gekommen? War das dein weg in die Selbstständigkeit oder hast du vorher was anderes probiert?

Selbständig gemacht habe ich mich mit Webseiten Erstellung, dann mit PHP Entwicklung und Shopware/Magento Shops mein Geld verdient. Vor 8 Jahren habe ich dann begonnen mich in der Start-Up Szene umzuschauen und mich auch bei mehreren Start-Ups beteiligt.

Seit 4 Jahren habe ich dann viel gelesen zu FBA, Dropshipping, Affiliate Seiten – also die Sachen die einem ein monatliches Einkommen ohne Arbeit versprechen. Ich hatte schon für mehrere Kunden Dropshipping Shops und Affiliate Seiten erstellt, aber dann wollte ich das auch mal für mich selbst ausprobieren.

Wie hast du angefangen?

Mit dem Lesen von Blogs und Facebook Gruppen habe ich dann angefangen. Aber leider ändert sich die rechtliche Lage doch recht schnell, vor allem was in den letzten Jahren bei der Verpackung und dem Datenschutz passiert ist. Von der MwSt. in EU Ländern ganz zu schweigen.
Angefangen habe ich dann mit Reitartikeln aus England. Das war da noch in der EU und so erhoffte ich mir weniger Ärger mit Zertifikaten, Inhaltsstoffen etc. etc.

Wie war dein Motivationslevel? Was ist dir leicht gefallen, und was hat dich am Anfang genervt/verunsichert?

Das Motivationslevel war sehr hoch – aber umso mehr man liest, umso weniger Lust hat man anzufangen. Anscheinend ist man schon mit jedem kleinen Plastik Flaschenöffner mit einem Bein im Knast 😀
Es gibt so viel zu beachten, wenn man es rechtlich korrekt machen möchte, und fast nie Ausnahmen für Kleinunternehmer. Alleine die Verpackungsrichtlinien mit einem (schlecht) englischsprachigen Chinesen per Whatsapp zu klären – da hörte es bei mir dann einfach irgendwann auf und ich habe nur aus Holland und England importiert.

Wie lang hat es gedauert, bis du deine Produkte/Nische gefunden hast?
Und vor Allem: Wie hast du die gefunden?

Einige Abende waren das schon – es muss ja ein eigenes Interesse für das Produkt vorhanden sein, die Zielgruppe scharf umrissen und noch nicht überlaufen. Noch dazu muss man einen Hersteller finden und die Versandkosten (also die Größe des Produktes) beachten. Wer nicht im Zoll hängen bleiben will muss auch den Wert des Produktes im Auge haben.

Gefunden habe ich meine Nische dann über mein persönliches Umfeld. Gespräche mit der Familie und Freunde über die Idee, eventuelle Produkte und Zielgruppen haben eine Nische/Zielgruppe ergeben die ich für ausreichend empfand.

War der Reitsport ein Thema was dir schon immer am Herzen lag oder kamst du vom Produkt/der Umsatzchance zur Nische?

Meiner Frau und Nichte liegt der am Herzen. Und die haben mich auf eine Nische in der Nische gebracht die nicht überlaufen war. Außerdem gibt diese Zielgruppe gerne viel Geld aus für Ihr Hobby.

Wie hast du das Sourcing/Einkauf gehändelt? Du sagtest, dass du am Ende in der EU geblieben bist. Gabs Versuche vorher das anders zu machen?
Welche Erfahrungen hast du da gemacht? Gab es Stolpersteine/Negative Überraschungen?

Ja ich habe es, wie man das laut diversen Blogs so macht, bei Alibaba versucht. Ich wollte bestimmte Reit-Artikel in besonderen Farben/Ausführungen herstellen lassen. Dort habe ich mir also Lieferanten rausgesucht und diese angeschrieben. Das Problem war aber oft die Mindestbestellmenge und das keine Samples von der Individualisierung verschickt werden konnten.

Ich habe übrigens auch mit zwei Herstellern in Deutschland gesprochen, aber da gab es keinerlei Möglichkeit Start-Up Charakter zu versprühen und sie erwiesen sich als überaus schwerfällig wenn es um was neues geht.

Die Erfahrung mit den Deutschen Anbietern habe ich leider ebenso gemacht.

Meist sind es Familienunternehmen mit einem älteren, männlichen Chef. Da läuft man gegen eine Wand…

Hast du zu dem Zeitpunkt schon das Listing auf Amazon fertig gehabt, oder erst später? Wann hast du die Fotos gemacht?
Wie bist du bei der Listingerstellung vorgegangen?

Für die Fotos habe ich jemanden bei mir in der Stadt gefunden, der hat meine ersten Produkte kostenlos fotografiert damit er dann später größere Aufträge bei mir bekommt. Das Ergebnis war auch völlig in Ordnung.

Die ersten beiden Listings wurden erst erstellt als die Produkte bei mir zu Hause waren – ich wollte erst mal FBM versuchen, da bei FBA wieder so viele Vorschriften vorhanden waren (bzgl. der Größe, Verpackung, angebrachten Codes). Ich denke das ist auch ein guter Weg – nicht gleich alles auf einmal versuchen, sondern erstmal einen Teil selbst übernehmen und später outsourcen.

Das Listing habe ich per M2E über meinen Magento Shop erstellt und aktuell gehalten. Letztendlich wurden die Produkte also im eigenen Shop und bei ebay und Amazon angeboten.

Aha. Über Ebay hört man (ich) immer so viele Horrorgeschichten. Also dass dort viel mehr Abmahner unterwegs sind als bei Amazon. Hattest du damit jemals Probleme?

Nein, ich habe von Anfang an meine Rechtstexte über den Händlerbund bezogen – auch die für ebay und Amazon. Wenn man sich an deren Checklisten hält kann meiner Meinung nach nicht mehr so viel schief gehen. Allerdings bringt einen das auch auf die Palme, wenn M2E oder ebay das einfach nicht so zulassen wie der Händlerbund es gerne eingegeben hätte…

Mein erster Import war für mich ein echtes Abenteuer. Wie bist du mit Logistik, Zoll und dem ganzen drum und dran zurecht gekommen?
Hattest du einen Großkunden Vertrag mit DHL oder UPS um deinen FBM zu händeln?

Indem ich es entschärft habe – und aus der EU zu mir nach Hause verschifft habe. Dann konnte ich es von da selbst versenden an die Kunden (in Deutschland). Dadurch war die Marge geringer, der Aufwand höher, aber man konnte weniger falsch machen.

Nachdem ich mich damit sicher gefühlt habe, bin ich dann zu einem Fullfillment Dienstleister gegangen, habe die Ware direkt an ihn schicken lassen und er hat (durch einen Großkundenvertrag mit DHL und GLS) viel günstiger verschicken können als ich selbst. Dadurch war das Fullfillment am Ende für mich günstiger als es selbst zu machen.

D.h. FBM war dann nicht Fullfilment by Lennart sondern du hast dir einen Spezi gegönnt der das für dich händelt.
Wie hast du den gefunden?

Über Google habe ich welche gesucht, die Preise verglichen und angeschrieben. https://www.emoose.de/ ist es dann geworden, die waren hilfsbereit und vor allem unkompliziert – auch das Beilegen von Flyern und Stickern war problemlos möglich.

War dir räumliche Nähe wichtig?

Nein überhaupt nicht, ich hatte nie vor da vorbei zu fahren 😀

Irgendwann war dann ja der große Tag: die Ware ist im Lager und es kann los gehen. Ich selbst höre immer nur von den gigantischen Launches, hab aber selbst keine großen Launches hinbekommen. Hast du dein Produkt besonders gelauncht?

Nein gar nicht, und es ging auch nicht mit einem großen Knall bei den Verkäufen los. Das liegt aber auch sicher daran, dass man (ich) unerfahren war bzgl. der Saisonalität. Weihnachten hatte ich verpasst (leider) und es ging im Januar los – da kaufte aber keiner. Über Ostern gingen die Verkäufe dann plötzlich nach oben – das hat sich auch in den nächsten Jahren so bestätigt, dass der Frühlingsanfang (nicht unbedingt Ostern, sondern schönes Wetter) für die Verkäufe verantwortlich war.

Ich habe auch mit Absicht die Werbung erst später geschaltet (google adwords usw.). Damit wir erstmal aus den ersten Verkäufen und Fehlern lernen konnten.

Wie liefen dann so die ersten Wochen/Monate?
Bzw. die Zeit danach.

Es kam immer mal eine Bestellung rein, aber man hat schon gemerkt, dass es so nicht ausreichen wird. Zumindest waren unsere Ziele höher als die Verkäufe. Wir haben dann weitere, ähnliche Produkte ins Sortiment genommen um besser zu verstehen was die Zielgruppe denn genau wünscht. Aber wirklich richtig gut wurde es nie. Es war dann ein netter Nebenerwerb, aber mehr auch nicht.

Kannst du was zu den Zahlen sagen? Wieviel blieb bei dir hängen in deinem besten Jahr?
Und wieviel Aufwand musstest du dafür investieren?

Hängen bei mir blieb gar nichts – da ich alles sofort in Werbung reinvestiert habe um die Umsätze zu steigern. Die waren aber auch im besten Jahr nur im oberen vierstelligen Bereich. Den Aufwand will ich lieber nicht nachrechnen – das sollte man bei Start-Ups wohl eh nie machen. Auf jeden Fall habe ich mindestens 20.000€ in Ware, Dienstleistungen (Bilderstellung, SEO), Lizenzen (z.B. Shop Plugins usw.) und viele Tausend Euro in Adwords investiert.

Hast du dein Invest am Ende wieder rausgeholt?

Nein niemals – das ist auch nicht weiter schlimm, ich habe in den letzten 10 Jahren viele eigene Projekte gestartet. Manche sind überaus teuer gescheitert (FBM / Dropshipping gehört dazu), andere haben sich sehr gelohnt (vor allem IT Start-Ups). Man muss als Unternehmer vieles ausprobieren um den richtigen Weg zu finden – und auch bereit sein Geld dafür zu investieren. Nicht immer wird es sich lohnen, aber am Ende insgesamt sicherlich auszahlen.

Wenn ich das so richtig verstehe hast du dann irgendwann die Reißleine gezogen und dich umorientiert – gepivoted wie man sagt.

Wie schaust du mit deiner Erfahrung auf das Thema „Onlinehandel“ und „Verkauf auf den großen Plattformen insbesondere Amazon“?

Ja ich habe den totalen Einbruch Ostern 2020 (Corona) dann genutzt um das Thema zu beenden. Ostern war immer unsere beste Zeit und als das Jahr dann ganz ausfiel hatte ich keine Lust mehr. Für 1000€ habe ich alles was an Webseiten etc. zu dem Thema da war dann verkauft, die Warenbestände verschenkt und vernichtet.

Es war ja eh nicht unser Hauptgeschäft, das ist die Programmierung und IT Beratung, deswegen hatte es keine weiteren Auswirkungen.

Letztendlich denke ich, dass man – wenn man wirklich Amazonverkäufer werden will – flexibel beim Produkt sein muss. Wenn es nicht läuft, dann muss man es wechseln. Aber falls man mit was anderem gutes Geld verdient, dann sollte man es einfach lassen mit Amazon, Ebay etc. – der Aufwand und die Erfolgsaussichten sind es dann nicht wert. Und man sollte auf keinen Fall bei der rechtlichen Beratung sparen, sonst kann das ganze auch schnell sehr sehr teuer werden. Das hat mir das wochenlange Einlesen in die rechtlichen Themen gezeigt 😀

Wie siehst du die Zukunft des Onlinehandels. Ist das alles bald komplett in Chinesischer Hand abgesehen von den BigPlayern die es geschafft haben frühzeitig eine kritische Größe zu erreichen, oder ist immer irgendwo eine Nische die es zu besetzen gibt?

Nein überhaupt nicht – ich weiß aus meinem beruflichen Alltag (betreue ja verschiedene Shops diverser Größe für verschiedene Kunden), dass man in Deutschland oder auch mit deutscher Produktion sehr gut mit Onlinehandel Geld verdienen kann. Die chinesischen und deutschen Händler haben sehr unterschiedliche Zielgruppen und Produkte, das ergänzt sich statt sich auszuschließen.

Aber ich denke es wird professioneller und Amateure haben einfach keine Chance es rechtssicher und als Haupterwerb zu betreiben. Gerade nebenberuflich hat man einfach zu wenig Zeit für die gesamte Thematik (denke ich).

Hast du sonst noch ein paar abschließende Worte oder Erkenntnisse die Du gern anderen Mitgeben willst, wenn Sie sich selbstständig ggf. auch nebenberuflich selbstständig machen wollen?

Man sollte hin und wieder mal was neues probieren, nicht nur privat sondern auch beruflich. Das kann ein Wechsel des Arbeitgebers sein, die Gründung eines Start-Ups, der Wechsel in die Selbstständigkeit (oder zurück ins Arbeitnehmerverhältnis). Man will doch nach 40 Jahren Berufsleben nicht sagen, dass man gerne mal was anderes probiert hätte. Lieber den Enkeln ein paar Geschichten erzählen was alles schief gegangen ist.
Die Selbstständigkeit ist nicht für jeden was, man braucht da schon eine intrinsische Motivation für das Thema – wenn man die aber hat, dann kann das richtig Spaß machen. Und der wichtigste Tipp bei so einem Projekt ist wohl, dass man wirklich anfängt – statt immer nur drüber nachzudenken!

Danke Lennart für das Interview!

Falls ihr noch Fragen an Lennart oder mich habt, dann könnt ihr die gerne hier in den Kommentaren hinterlassen. Lennart hat sich bereit erklärt hier ab und an mal reinzuschauen und die zu beantworten.

Sonstiges

Die letzte Woche war schon was besonderes…. Beruflich taten sich plötzlich neue Türen auf (hinter denen natürlich immer Arbeit wartet), Es ging auf der Baustelle voran, ich nahm mit Familie an einer Völkerwanderung teil („Erzgebirgische Liedertour“) und musste meine Freundin aus der Sonne „bergen“.

Lasst mir gern mal einen Kommentar da, wie ihr das Interview fandet und ob ihr gern weitere sehen würdet.

Grüße,
Euer Kevin


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